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Hilf uns, drei neue Fate-Abenteuerwelten zu realisieren: Barbaricum, Opus Magnum – Geister in der Mauer und Märchenkrieger, LOS!
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Märchenhaft! – Ein Interview zu Märchenkrieger, LOS!

Posted by Andre Poenitz
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Bald laufen die letzten 24 Stunden unseres Kickstarters an! Und um nicht vor Aufregung zu implodieren, fühlen wir heute Anne Wiesner, der Autorin von Märchenkrieger, LOS! im Rahmen eines Interviews auf den Zahn.

***   

Hallo Anne. Stelle Dich doch kurz mal den Lesern vor.

Ich bin Anne Wiesner, Mitte Dreißig, angestellt im Deutsch-Chinesischen Kulturbereich, Rollenspieler seit etwa zwanzig und Fatespieler seit acht Jahren. Fehlt noch was?

Ja, eine Menge. Aber eins nach dem anderen. Du hast bei der Weltenbandchallenge für deutsche Fate-Abenteuerwelten mitgemacht und dafür einen umfangreichen und vor allem hochgelobten Hintergrund geschrieben. Machst Du so etwas öfter oder war das in diesem Fall etwas Besonderes?

Ha! Hochgelobt ist vielleicht etwas viel gesagt, aber doch wohl interessant genug, um vom Uhrwerk-Verlag für eine Publikation ausgewählt zu werden. Die meisten Rollenspieler haben ja Spaß daran, sich eigene Welten und Abenteuer auszudenken oder auszutüfteln, wie man bestimmte Dinge in Regeln gießen kann. "So eine Runde würde ich gerne mal spielen. Wie setze ich das am besten um?" kommt einem häufig in den Kopf. Mir auch! So ein Wettbewerb ist dabei immer eine tolle Möglichkeit, sich hinzusetzen und diese Ideen auch wirklich zu Papier zu bringen. Ich gebe sogar zu, dass mir bei diesem Wettbewerb das Thema "Deutschland" etwas Kopfschmerzen bereitet hat, das war mir irgendwie zu "nah". Aber über die Ecke pseudohistorische Anime-Märchen-Superhelden hat es dann doch gepasst.


Zur Weltenbandchallenge gab es 13 Einsendungen und Märchenkrieger, LOS! gehört zu den Top-Vier. Da musst Du wohl ein wenig Lob aushalten. ;) Und es steht außer Frage, dass Fate-Fans höchstwahrscheinlich auch Freunde davon sind, Spielwelten zu erschaffen. Aber von dem Gespräch mit der Spielrunde über ein paar Notizen oder Spiegelstriche ist es doch ein weiter weg zu einem in der Rohfassung immerhin gut 70 Seiten umfassenden Werkes. Wie war der Weg bei Dir? Und: War das Dein erstes, in derart viele geschriebenen Worte gegossenes Rollenspielprojekt?

Das stimmt natürlich, von einer Idee bis zum Endwerk ist es bei den meisten Texten ein langer Weg. Meine üblichen Kampagnen- oder Settingnotizen für den Privatgebrauch sind eher spartanisch.

Ich habe schon bei anderen Setting- oder Abenteuerwettbewerben mitgemacht, allerdings sind die Märchenkrieger mit Abstand am längsten. Um ehrlich zu sein war die Wettbewerbsversion nicht sonderlich poliert, weil mir die Idee relativ spät gekommen ist, ich noch etwas mit mir gekämpft habe, ob ich jetzt noch mitmachen soll, und dann blieb einfach nicht mehr viel Zeit zum Überarbeiten. Das kam erst mit den Proberunden und anschließend dem ausgezeichneten Uhrwerk-Lektorat. Das hat neben den Regeln sehr geholfen, Begriffe zu vereinheitlichen und übermäßig verworrene Konzepte zu vereinfachen.

Dazu noch eine wichtige und quasi obligatorische Frage: Warum Fate?

Weil ich Fate mag und es eine Fate-Challenge war! Aber etwas genauer: Fate ist für mich ein solides System, dass sich sowohl sehr frei erzählerisch wie auch recht klassisch bespielen lässt, ohne kaputt zu gehen. Außerdem ist es sehr einfach zu modifizieren, was ja auch die große Bandbreite an Abenteuerwelten und Systemversionen beweist.  

In Deiner Kurzvorstellung erklärst Du, dass Du schon seit acht Jahren Fate spielst. Dein Start war also ein paar Jahre vor Fate Core, dessen initialer Kickstarter 2012 an den Start ging. Mit welcher Version oder mit welchen Rollenspiel zu Fate hast Du angefangen? Wie kam es dazu?

Das war "Free Fate", was man heute wohl "Fate 3" nennt. Davon gibt es eine tolle Fanübersetzung mit super Layout. Wir haben damals ein Runde auf Basis der Regeln von Unknown Armies auf Free Fate umgestellt, weil letzteres einfach allgemeiner und leichter zu hacken ist. Der Unterschied zwischen den Editionen ist allerdings meiner Meinung nach nicht gigantisch. Fate Core hat viele Dinge vereinfacht und erklärt sie meiner Meinung nach besser - allerdings habe ich auch schon die gegenteilige Meinung gehört, also dass Free Fate für Fate-Neulinge leichter zugänglich sei.

"Märchenkrieger, LOS!" lässt den Schluss zu, dass Du ziemlich sattelfest in Bezug auf deutsche Märchen. Wie hoch ist Dein Fertigkeitswert in Märchenkunde? Und wieso ist das so?

Gut (+3)? Aber vielleicht auch nur Ordentlich (+2), weil ich die Märchen in Mundart aus Faulheit überspringe. Als Kind hatte ich mal eine Phase, in der ich jede Menge Märchen und Sagen gelesen habe, nicht nur die der Gebrüder Grimm, sondern auch aus anderen Kulturen. Ich denke, das ist recht naheliegend, wenn man gerne Fantasy-Literatur liest, denn Märchen und Sagen sind ja eine der Hauptinspirationsquellen dafür. Und wie man sieht, funktioniert das mit der Inspiration heute immer noch.

Vorgestellt wird Deine Abenteuerwelt im Grunde von zwei Figuren, die sie auch vielfach aus ihrer Sicht beschrieben. Was brachte Dich auf die Idee, die Abenteuerwelt gerade auf diese Weise darzustellen?

"Märchenkrieger, LOS!" ist ja stark von Anime- und Mangaästhetik beeinflusst, also wollte ich einen lockeren Comic-Tonfall zu transportieren. Das hat also im Fließtext nicht so richtig geklappt. Direkte Rede dagegen hat mir gut gefallen - und da man in "Märchenkrieger, LOS!" zwei Charaktere in einem spielt - einen Menschen, der sich in eine Märchenfigur mit Superkräften und eigenem Willen verwandelt - bot es sich an, diese beiden Charaktere miteinander sprechen (und sich streiten) zu lassen.

Die Position des Erzählers, die Rolle von König Ludwig II. von Bayern und die Kombination mit Märchen und Mystik ließen mich sofort an Castle Falkenstein denken, das ebenfalls großartig geschrieben ist. Sind die Parallelen Zufall?

Die sind tatsächlich Zufall! Castle Falkenstein kenne ich nur dem Namen nach. Ludwig II. hat seine Rolle im Spiel natürlich durch den Spitznamen "der Märchenkönig" bekommen. Neuschwanstein ist aber auch eine zu verführerische Kulisse ...  

Du hast sicherlich schon Spielrunden für "Märchenkrieger, LOS!" geleitet. Kannst Du einen kurzen Abriss über ein gespieltes Abenteuer geben? Wer waren die Helden, was die Aufgabe, was die Highlights?

Mein typisches Intro-Abenteuer will ich noch mal so ausarbeiten, dass es auch andere leiten können, deshalb schweige ich dazu lieber!

Der Weiße Engel und der Kult, der durch Ertränken noch weitere Engel erschaffen will, stammem aus einer der ersten Proberunden. Er hat es dann als Antagonist in die Abenteuerwelt geschafft. In dem Abenteuer kam auch noch der Teufel mit den drei Goldenen Haaren dazu, der seine Goldenen Haare wie feine Drähte gespannt und damit die Spielercharaktere eingewickelt und kontrolliert hat.

In einer anderen Runde mussten die Märchenkrieger einen unbesiegbaren Riesen im Stil von "Attack on Titan" aufhalten, bevor er für die Preußen Nürnberg zerstört. In bester Fate-Manier habe ich den Schwachpunkt den Spielern überlassen, so dass der Riese von Innen nach Außen besiegt wurde, inklusive Kampf gegen das tentakelige Immunsystem des Riesen. Ich finde es auch immer schön, auf unerwartete Figuren zu stoßen. Neben so Klassikern wie Dornröschen und dem Gestiefelten Kater hatte ich mit Frau Holle und der Großmutter des Teufels gleich zwei Mal Figuren in der Runde, die neben großmütterlicher Weisheit auch mit Kochgeräten ausgeteilt haben.

Dem entnehme ich, dass in Dir unzählige Abenteuer schlummern und womöglich die Bereitschaft, die schriftlich niederzulegen. Bedeutet das, dass es ergänzendes Material aus Deiner Feder geben wird? In Bezug auf das Einführungsabenteuer klingt das ja quasi wie eine beschlossene Sache.

Für das Einstiegsabenteuer möchte ich mir auf jeden Fall noch Zeit nehmen! Weiteres Material wäre natürlich toll, aber leider, leider wird zumindest meine freie Zeit immer knapper - Vollzeitjob, kleine Kinder ... und ab und zu will man ja auch mal Rollenspiele spielen und sie sich nicht nur ausdenken (vielen Dank in der Hinsicht an die moderne Technik und die Möglichkeiten, online zu spielen, wo man Fahrtzeit spart und auch mal parallel ein Baby auf dem Arm haben kann).

Nun steckt in "Märchenkrieger, LOS!" sicherlich eine Menge von Dir. Welche Märchenfigur steckt in Dir?

Ich mag ja den Jungen im "Hirtenbüblein", der als besonders weise gilt und den ein König adoptieren will, wenn er philosophische Fragen wie "wie lange ist die Ewigkeit" beantworten kann. In seinen Antworten macht der Junge dieses abstrakte Konzept vorstellbar. Die Ewigkeit erklärt er mit einem Diamantberg, an dem ein Vogel alle hundert Jahre seinen Schnabel wetzt. Ist der völlig verschwunden, ist die erste Sekunde der Ewigkeit vergangen. Weise finde ich mich nicht, aber kreative Antworten auf seltsame Fragen kann ich auch finden (außer in Vorstellungsgesprächen, was ja eigentlich genau die Situation war, in der der Junge sich befand - hm, vielleicht passt das doch nicht so gut).

Sehr gut kann ich mich aber auch in die Besitzerin des Süßen Breis aus dem gleichnamigen Märchen einfühlen, weil ich ein Kleinkind zu Hause habe: da bekommt ein Mädchen einen wundersamen Topf geschenkt, der auf Kommando Hirsebrei kocht. Als sie kurz weg ist, will die Mutter Brei kochen, kennt aber das Kommando nicht, mit dem der Topf wieder aufhört, Hirsebrei zu produzieren. Ergebnis: die ganze Stadt ist unter Brei begraben. Wer kleine Kinder hat, kennt das. Zwei Minuten - eigentlich schon Sekunden - reichen, um aus einer kleinen Schüssel Essen ein Schlachtgemälde zu machen.

Liebe Anne, vielen Dank den kleinen Einblick.

Wer nicht nur Lust auf die Abenteuerwelt “Märchenkrieger, LOS!” hat, sondern die Autorin selbst noch zu allen Dingen rund um die Abenteuerwelt löchern will, trifft sie in den Foren Tanelorn und Drachenzwinge unter dem Namen “Nocturama”.

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