Share this project

Done

Share this project

Done
Hilf uns, drei neue Fate-Abenteuerwelten zu realisieren: Barbaricum, Opus Magnum – Geister in der Mauer und Märchenkrieger, LOS!
Hilf uns, drei neue Fate-Abenteuerwelten zu realisieren: Barbaricum, Opus Magnum – Geister in der Mauer und Märchenkrieger, LOS!
178 backers pledged €5,863 to help bring this project to life.

3. Stretch Goal & Opus Magnum: Komische West-Döner

Posted by Andre Poenitz
3 likes

Es bleiben gute zwei Tage (!) und wir haben unser drittes Stretch Goal erreicht! Alle Backer, die mindestens ein gedrucktes Buch nehmen, bekommen noch einen Satz Lesezeichen oben drauf.

Vom nächsten Stretch Goal wiederum haben unsere Backer nichts, und trotz allem ist es uns sehr wichtig. Es gibt eine Menge Leute, die daran arbeiten, dass die deutschsprachigen Fate-Bücher in einer vernünftigen Form erscheinen, von Redakteuren über Korrektoren bis hin zu Leuten, die einfach nur Content auf die Webseite stellen. Aber da von dem Geld, das gerade kleinere Rollenspiele abwerfen, nicht alle so bezahlt werden können, wie es vielleicht angemessen wäre, ist der Erfolg dieses Kickstarters eine Gelegenheit, sich dankbar zu zeigen: Ab 6000€ gibt es einen kleinen Grillabend für die Fate-Redaktion!

Außerdem erzählt André in einem lockeren Blogpost über Opus Magnum, was seine Verbindung zur DDR ist.

***

Diese komischen West-Döner

Opus Magnum: Geister in der Mauer ist ein Rollenspiel, das mit beiden Beinen in einer ganz bestimmten Zeit steht, nämlich in den Jahren der DDR. Die Berliner Mauer ist 1989 gefallen. Ich wurde 1987 geboren, in Halle an der Saale (bei Leipzig) … und ich habe keine einzige Erinnerung an den Mauerfall selbst. Nichts von der Euphorie des Moments, nichts von der Berichterstattung, nicht mal was von David Hasselhoff, leider. Warum zur Hölle also ein Buch über die Mauer?

Irgendetwas bleibt (zuhause)

Die alte Ost-Marke Nudossi verkauft heute richtig teure Nutella (Ups, Schokoladencreme!) ohne Palmöl, mit Hipster-freundlichem Nussanteil, einfach weil Nüsse hinter der Mauer vergleichsweise einfach zu kriegen waren und man eine gewisse Erfahrung damit hat, ohne „imperialistischen“ Import auszukommen. Und mannomann, gehen einige „Ossis“ darauf ab – nicht wegen dem Nussanteil, sondern weil es Nudossi ist. Ich weiß ganz ehrlich nicht, ob irgendjemand auf der anderen Seite der Mauer Nudossi kauft. Man hört das zwar immer, und ich will es auch nicht kategorisch ausschließen, aber eigentlich ist genau das der Punkt: Die Wahrnehmungen von Ost und West sind so seltsam vielseitig, widersprüchlich und in alle möglichen Richtungen bis zur Unkenntlichkeit verzerrt, dass ich als Jugendlicher ernsthafte Probleme hatte, mir ein Bild meiner Umgebung und Geschichte zu machen. Da gibt es Leute, für die die DDR wahlweise eine diabolische Kraterlandschaft oder ein utopisch-nostalgisches Wunderland war, Leute, die die DDR zwar nicht mochten, aber offensichtlich noch größere Probleme mit allem haben, was seitdem so läuft, Leute, die alles, was a) im Westen oder b) im Osten schiefläuft, auf den Mauerfall schieben, und Leute, die den Übergang zwischen DDR und BRD nicht mal als ernsthafte Veränderung registriert haben. Und das sind keine Verrückten, die man elf Uhr morgens auf RTLII sieht, sondern Familie, Freunde, einfach Leute, die einen in der Straßenbahn ansprechen und so tun, als würde man in die vorangegangen Kategorien passen. Weihnachten und ähnliche Familienfeste sind jedes Mal ernsthaft spannend für mich, weil all diese Wahrnehmungen aufeinanderprallen. Die DDR im Osten sind nicht zwei Seiten in einem Schulbuch, sondern ein Haufen an Erfahrungen, die man als junger Mensch irgendwie durchschauen muss.

Irgendetwas bleibt (überall)

Ich bin nach der Schule erstmal nach Frankfurt am Main gezogen, und schließlich nach Bremen. Ich lebe inzwischen seit über zehn Jahren im Westen und kenne trotz allem mindestens fünf Leute, die jetzt, in genau diesem Moment, einen mittelmäßigen Bananenwitz auf den Lippen haben. Und er wird funktionieren. Wir werden zumindest seicht schmunzeln, ich werde schwer atmen, und vielleicht lasse ich mich zu einem Witz über den Soli-Beitrag, den „wir“ „euch“ aus der Tasche ziehen, hinreißen. Ossi-Witze müssen halt nicht gut sein, genauso wenig wie Wessi-Witze. Es reicht, dass die „Mauer in den Köpfen“ immer noch ein so großes, präsentes Ding ist. Die Nazis in Sachsen, die Wölfe in Brandenburg, die billigen Döner mit dem besseren Brot, einfach überall wo nicht der Westen ist. Der Fakt, dass man in West-Schulen höchstens ein bisschen Politik und sonst so gut wie gar nichts Greifbares über die DDR lernt, dass man in Ost-Schulen wahrscheinlich immer noch dreimal (!) so viel über den zweiten Weltkrieg lernt, dass ich in diesem Text selbstverständlich „Ost“ und „West“ schreiben kann, ohne dass es irgendjemand komisch findet, fast 30 Jahre, nachdem „Ost“ und „West“ vorbei sein sollten. Ich meine, im Osten geht die Sonne auf, in Bremen bezahle ich statt 2,50€ mindestens 4€ für einen Döner, der dann auch noch dieses wahnsinnig seltsame runde Brot hat, und obwohl ich mich daran gewöhnen kann, wird es immer mein persönlicher Culture Shock bleiben. Ganz ehrlich, wie könnte ich mich nicht für diesen ganzen Wahnsinn interessieren? Manchmal ist das ein regelrechter Migrationshintergrund.

Also ja, Opus Magnum ist meine persönliche Auseinandersetzung mit einer Geschichte, die ich nie erlebt habe, und die ich in meinem Alltag selbst dann nicht ignorieren könnte, wenn ich es mit Gewalt darauf anlegen würde. Aber vor allem ist es meine Methode, die Widersprüche, die unterschiedlichen Seiten in Einklang zu bringen, die um das Verständnis der DDR ringen, diesen komplizierten „Freak Accident“ der deutschen Geschichte, den viele am liebsten in eine hübsch beschriftete Schublade schieben oder einfach schnellstmöglich wieder vergessen würden.

***

Habt ihr Fragen? Ab in die Kommentare!

Sebastian 'achlys', Ioelet, and 1 more person like this update.

Comments

Only backers can post comments. Log In