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Revolution! – ein Interview zu Barbaricum

Posted by Dominik Pielarski
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In unserem ersten Interview stellt sich Leopold von Bonhorst, der Autor von Barbaricum, unseren Fragen.

***

Hallo Leopold. Wie bist Du auf die Idee gekommen, ein Setting zur Zeit der Völkerwanderung zu schreiben?

Ich war jahrelang Spielleiter verschiedener Rollenspielgruppen. Für eine diese Gruppen (Vampire the Masquerade) hatte ich einmal Abstammungs-Historien der SCs sowie einiger wichtiger NSCs ausgestalten wollen. Hierbei ist mir dann allerdings aufgefallen, dass ich zwar schnell griffige Bilder von Antike und Mittelalter parat hatte, jedoch nicht für die Zeit dazwischen. Nachdem ich mich ein wenig in die Materie eingearbeitet hatte, habe ich schnell festgestellt, wie spannend diese Epoche der Völkerwanderung ist und welche Umbrüche sie in Europa eingeleitet hat.

Wieso hast Du die Dampfmaschinen mit eingebaut?

Im Rahmen der Fate-Weltenband-Challenge waren Settings gefordert, die „deutsch“ sein sollten. Aber was heißt „deutsch“? Fußball, Bier und Autos? Ich hatte zwei grobe Ideen, die mich zum Stichwort „deutsch“ gereizt haben: Die erste Idee war das Thema Völkerwanderung aus obigem Grund. Die zweite Idee war ein Setting im 18. oder 19. Jahrhundert, das insbesondere ideologische und philosophische Ideen thematisieren sollte. Ich denke hier an Ideale wie Demokratie, Völkerverständigung und Freiheit des Individuums, aber auch allgemeinere Ideen wie Vernunft, Leidenschaft oder Romantik. So verschieden die Ideen zuerst klangen, hatte ich schnell ein Motiv erkannt, mit dem ich beide Ideen verbinden konnte. Dieses Motiv hat mir so gut gefallen, dass es zum zentralen Thema von Barbaricum wurde:

Revolution! Die Spieler sollten die Möglichkeit bekommen eine Spielwelt in allen nur denkbaren Aspekten aus den Angeln zu heben und neu zu gestalten. Und ab diesem Moment war mir klar, dass das Setting auch eine technische Revolution benötigte: Arbeiter, die dreckverschmiert Kohle in riesige Maschinen schaufeln; politische Aufrührer, die an der Druckerpresse massenhaft Flugblätter drucken; Diktatoren, die ihre Macht auf Schusswaffen stützen …

Einfallende Hunnen, kriegerische Barbaren, Dampfpanzer, Extra-Regeln für Kämpfe zwischen ganzen Truppen – dreht sich Barbaricum nur ums Kämpfen?

Barbaricum handelt von Protagonisten, die leidenschaftlich für die Verwirklichung ihrer tiefsten ideologischen Überzeugungen eintreten und hierfür alle Mittel nutzen, die ihnen zur Verfügung stehen. Der Kampf ist hier nur ein Aspekt; jedoch natürlich auch einer, der im Rollenspiel meist gut geeignet ist, um Spannung zu erzeugen. Viel wichtiger als die Regeln für große Schlachten waren mir persönlich aber eigentlich die Regeln für soziale Konflikte wie z. B. politische Debatten. Der Höhepunkt bei Barbaricum ist nicht die Schlacht, sondern die flammende Rede am Tag vor der Schlacht, in der es darum geht, das eigene Gefolge sowie potenzielle Verbündete dafür zu begeistern, dass eine Sache es überhaupt wert ist, für sie zu kämpfen.

Gerade auch deshalb möchte ich den Spielleiter aber auch dabei unterstützen, in seiner Kampagne nicht nur kleine Kneipenschlägereien, sondern wirklich bedeutende Konflikte zu thematisieren. Um zu vermeiden, dass Schlachten mit vielen Beteiligten dann unübersichtlich werden, liefert Barbaricum hierzu ein wenig Handwerkszeug.

Welche Quellen dienten Dir zur Inspiration?

Neben der fachlichen Inspiration, die zum Großteil aus Online-Recherchen bestand, war vor allem die emotionale stimmungstechnische Inspiration wichtig. Diese war ein wilder Mix aus Filmen wie Mad Max, V for Vendetta und Gladiator, vor allem aber Musik von Punkrock über „Rage against the Machine“ bis Beethovens Neunte – kurz: alles, was zugleich das Adrenalin zum Kochen bringt und zum revolutionären Denken anregt. Ich merke jedes Mal wie ich richtig kämpferisch werde, wenn ich nur an Barbaricum denke. Ich hoffe, dass ich die Spieler damit anstecken kann.

Warum ist Fate Deiner Meinung nach das richtige Regelsystem für Barbaricum?

Fate ist aus meiner Sicht ideal, um gemeinsam eine Geschichte mit einem exakt gewünschten Genre und Themen zu erleben. Wenn ich einfach ein klassisches High-Fantasy-RPG spielen will, dann sind klassische simulierende Rollenspielsysteme dafür gut geeignet. Hätte ich hingegen spezifischere Vorstellungen, dass mein High-Fantasy-RPG z. B. satirisch sein soll, Western-Elemente integrieren und „Familie“ zum Thema haben soll, dann würde ich zu Fate greifen. Fate erlaubt es über die Mechanik der Aspekte genau das am Spiel über Regeln zu unterstützen, was der Spielrunde wichtig ist.

Für Barbaricum bedeutet dies, dass ich das Barbaren-Steampunk-Setting nicht einfach nur als Spielwelt präsentiere, sondern dem Spielleiter die Möglichkeit gebe, auch die thematischen Ideen regeltechnisch relevant zu machen und nach persönlichem Geschmack bewusste Schwerpunkte zu setzen. Die Spielrunde kann mit wenigen intuitiven Handgriffen die Weichen stellen, ob sie heute lieber „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ spielen will oder „wilde Dampfpanzer-Action“. Wenn ein Charakter „Nieder mit den Tyrannen!“ auf seinem Blatt stehen hat, dann ist das im Spiel bedeutend. Das verleiht dem Setting eine zielgerichtete Dynamik, die ich bei Barbaricum für sehr wertvoll halte.

Für wen ist Barbaricum besonders interessant? Wer ist die Zielgruppe?

Rein äußerlich natürlich Fans von Steampunk, Alternate-History und der Völkerwanderung. Vor allem aber Spieler, die sich für das Revolutions-Thema begeistern können und Spaß daran haben, das Schicksal dieser Welt komplett zu zerlegen und neu zusammen zu setzen.

Siehst Du Barbaricum eher als Setting für One-Shots oder für längere Kampagnen?

Die Kampagne ist grundsätzlich erst einmal naheliegend. Ich habe ja bereits erwähnt, dass ich die Spieler ausdrücklich dazu einladen will, die Welt von Barbaricum zu verändern. Und Veränderungen machen natürlich doppelt so viel Spaß, wenn man weiß, dass man diese in der nächsten Spielsitzung auch wahrnehmen wird.

One-Shots hingegen kann ich mir insbesondere dann gut vorstellen, wenn man sich gezielt auf die kleineren Details von Barbaricum stürzen will. Aktuell hätte ich beispielsweise richtig Lust darauf, die Spieler als Besatzung eines vandalisch-karthagischen Tauchbootes auf Mission zu schicken und eine richtig abgedrehte Steampunk-Version von „Das Boot“ daraus zu machen.

Wie viel Vorwissen muss man mitbringen, um sich in das Setting hineinzuversetzen?

Ein paar Semester Geschichte und Philosophie sollte man natürlich studiert haben … Nein, Spaß beiseite – man benötigt überhaupt kein Vorwissen. Ich habe in meinen Testrunden die wichtigsten Informationen über die Welt von Barbaricum in knapp 15 Minuten erklärt und die Spieler hatten keine Probleme mir zu folgen. Die verschiedenen Stämme sind zwar historisch inspiriert, aber mit genug stimmungsvollen Klischees beladen, dass man seinen Spaß mit ihnen haben kann, ohne real-historisch Goten und Alamannen auseinander halten zu können.

Was gefällt Dir an diesem Setting am besten? Wie würdest du deinen Freunden erklären, dass ihr jetzt DIESES Setting spielen müsst?

Am besten gefällt mir, wie zeitlos das Setting in seinem thematischen Kern eigentlich ist. Leidenschaft, Ideen, Visionen und die Bereitschaft und der Wille, die Welt zu verändern, sind für mich ein wahnsinnig mitreißendes Themenfeld.

Nehmt das Schicksal des antiken Europas in eure Hände! Verbreitet das Feuer eurer Überzeugung in den Fabriken, erobert das Herz eurer Brüder und Schwestern im Thing und stellt euch mit ihnen auf dem Schlachtfeld den römischen Musketen und hunnischen Panzern entgegen! Führt Barbaricum in ein neues Zeitalter!

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Habt ihr Fragen an Leopold? Ab in die Kommentare!

Lars Gravert and Sebastian 'achlys' like this update.

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